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Biontech-Chef Ugur Sahin wundert sich über “langsamen Impfstoffauftrag” der EU.

Impfstoff-Bestellungen der EU

Der Vorstand des Forschungsunternehmens Biontech zeigte sich überrascht über die Zurückhaltung der EU bei der Bestellung von Impfstoffen. Bis zum Ende des Sommers könnte auch eine Generation von fortschrittlicheren Impfstoffen fertig sein, sagte er.

Der Geschäftsführer des Mainzer Forschungsunternehmens BioNTech sagte, er sei überrascht von der Zurückhaltung der Europäischen Union (EU) bei der Bestellung von Impfstoffen. Der Krebsforscher Ugur Sahin sagte dem Spiegel, das Verfahren in Europa sei wegen des Mitspracherechts der einzelnen Länder nicht so schnell und einfach wie in anderen Ländern. Zudem habe sich die EU auch auf andere Hersteller verlassen, die nun doch nicht mehr so schnell liefern können. “Offenbar herrschte der Eindruck: Wir haben genug, es wird schon nicht so schlimm werden, wir haben alles im Griff”, sagte Sahin: “,,Ich war überrascht.

Das Unternehmen sei nun auf der Suche nach Kooperationspartnern, um die Produktion zu erweitern, sagte er. “Es ist aber nicht so, dass es auf der ganzen Welt unbesetzte spezialisierte Fabriken gibt, die von heute auf morgen Impfstoffe in der erforderlichen Qualität herstellen könnten”, sagte Sahin. “Bis Ende Januar wird sich zeigen, ob und in welchem Umfang wir mehr produzieren können. Die neue Produktionsstätte in Marburg werde viel früher als erwartet fertig sein, vielleicht schon im Februar, sagte er. Im ersten Halbjahr könnten dort bis zu 250 Millionen Dosen produziert werden, sagte er.

Außerdem könnte bis zum Ende des Sommers eine weiterentwickelte Generation des Impfstoffs fertig sein, die mit weniger Kühlung transportiert werden könne, sagte Sahin. Kurz nach Weihnachten hatte es Berichten zufolge Probleme mit der Kühlkette in Nordbayern gegeben: In Oberfranken waren Impfstoffdosen in einer Kühlbox angekommen, deren Temperatur laut einem Überwachungsgerät teilweise die geforderten acht Grad Celsius überschritten hatte. Rund 1.000 Impfstoffeinheiten wurden deshalb nicht verwendet, obwohl BioNTech gegenüber der Regierung von Oberfranken erklärte, den Impfstoff trotz der Temperaturdifferenz für sicher zu halten.

Ob der Impfstoff von BioNTech auch gegen eine in England aufgetauchte Mutation des Virus wirksam ist, die deutlich ansteckender sein könnte, werde derzeit untersucht, hieß es: “Wir testen, ob unser Impfstoff auch diese Variante neutralisieren kann, und wir werden bald mehr wissen. Sollte der Impfstoff jedoch nicht funktionieren, könne er “rein technologisch” relativ einfach angepasst werden, was vielleicht sechs Wochen dauern würde. Die Frage ist, ob die Zulassungsbehörden die in diesem Fall bereits bewiesene Wirksamkeit und Sicherheit weiterhin akzeptieren würden – andernfalls wäre eine neue Studie mit Zehntausenden von Probanden nötig.

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